Graffiti war gestern, jetzt wird gestrickt...

„Graffiti war gestern, jetzt wird gestrickt“, so lautete das Motto der Strickaktion im z6, die vom 5. Juni bis zum 26.Oktober lief.   Während dieser Zeit lud das z6 regelmäßig Leute allen Alters ins Jugendzentrum ein, um mit Ihnen zu stricken und so ein Zeichen für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben zu setzen. Es entstanden in der Zusammenarbeit von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Heimbewohnerinnen des St. Raphael Seniorenheims viele kleine Kunsterke, die an verschiedenen Stellen der Stadt montiert wurden.     Die letzte große Abschlussaktion war die „Bestrickung“ der zwei Zeughauskanonen. „Damit stellen wir die einstigen Kriegsmaschinen in einen anderen Kontext. Bestrickt erfreuen sie, um verstärkt dem zugrunde liegenden Gedanken des Dialoges und der Solidarität eines friedvollen Miteinanders, unserer Aktion noch einmal zum Ausdruck zu bringen.“ Die Kanonen wurden dann am 26. Oktober, dem Nationalfeiertag und gleichzeitig dem Tag der offenen Tür im Zeughaus, präsentiert.          ...

Südring: Keine Barrieren mehr!...

Der Südring schneidet durch Wilten wie ein Fluss. Aber leider nicht wie einer, der leise plätschert oder beruhigend rauscht, der im Sommer Abkühlung spendet und aus dem man sich leckere Fische holen kann, nein, eher wie ein giftiger, laut tosender, in dem man sofort ertrinkt, sollte man aus Versehen hineinfallen.   Menschen wollen Straßen, wie auch Flüsse, queren. Dazu hat man sie früher auf Brücken oder in Unterführungen geschickt. Die Menschen mussten in andere Ebenen ausweichen, denn der Autoverkehr durfte ja nicht aufgehalten werden.   In der modernen Verkehrsplanung macht man das nicht mehr. Da wird der Autoverkehr so weit entschleunigt und gegebenenfalls auch auf eine Spur verengt, dass zu Fuß Gehende und mit dem Fahrrad Fahrende den Auto-Strom bequem und gefahrlos an der Oberfläche queren können. In Wien, beispielsweise, hat man begonnen, Unterführungen unter dem Gürtel stillzulegen. Die Menschen müssen dort jetzt nicht mehr in dunkle Löcher hinabsteigen, sie dürfen stattdessen im hellen Tageslicht breite Schutzwege an der Oberfläche nutzen.   In Innsbruck hat man noch vor wenigen Jahren Unterführungsbauwerke am Südring errichtet, die jegliche Richtlinien und Vorschriften bezüglich Barrierefreiheit missachten. Mobilitätseingeschränkte Menschen haben dort jeden Tag große Probleme. In der gestern veröffentlichten Kurzdoku von Heinz Fechner kommen auch Betroffene zu Wort:   [video:http://www.youtube.com/watch?v=qwPKIXnDpb8]   Nun möchten die ProponentInnen des Grassmayr-Tunnels in dessen Begleitbauwerken wieder gleich rücksichtslos vorgehen und die Menschen über viel zu steile Rampen in die Tiefebene schicken.   Wer, wie wir, etwas gegen solche Barrieren hat, und auch sonst mit dem durch dieses Projekt drohenden Anwachsen des Autoverkehrs am Südring und in der Innenstadt um bis zu 20.000 PKW pro Tag inklusive dementsprechender Steigerung der Feinstaubbelastung nichts anfangen kann, kommt bitte zur   Gehzeug- und Kreativ-Demo Samstag, 3. November, 11 Uhr Treffpunkt: Wilten, Anton-Melzer.-Straße, südlich...

Von Pferdeäpfeln und Kunstblut...

Kaum hat sich das Hafengelände von der Erotikmesse im Oktober erholt, steht am 1. November die nächste Nacht des Exzesses am Programm. Das schweizerisch- deutsche Künstlerkollektiv Bonaparte beehrt am ersten November im Rahmen ihrer Tour anlässlich des neuen Albums „Sorry We Are Open“ Innsbruck. Knapp zwei Jahre nach dem restlos ausverkauften Konzert im Weekender Club bringt die Band, die sich rund um den charismatischen Frontman Tobias Jundt formiert, ihren Bühnenwahnsinn in den Hafen. Freunde von eingängigen, aus Elektro, Punk und Indie zusammengemischten Akkorden sowie unterhaltsam-verstörenden Live Performances sollten das Konzert auf keinen Fall versäumen. Bonaparte kümmern sich wenig um Konventionen und komerziellen Erfolg. Wie Frontman Jundt in einem Interview mit „der Zeit“ klarstellt, geht es der Band in erster Linie um den Live-Moment, um die Energie und Euphorie ausverkaufter, tanzender und jubelnder Konzerthallen. „Wir sind Idealisten. Wir machen das, weil wir seit dem Kindergarten wissen, dass wir ein bisschen komisch sind und nach etwas gesucht haben, mit dem wir uns ausdrücken können.“ Und dieser Ausdruck der Andersartigkeit äußert sich in allen Facetten der expressiven Show. Die Songtexte sind mal lyrisch, mal beißend kritisch, die Bühnenperformance lebt von viel Bewegung, nackter Haut versus aufwändige Kostümierung und diverser (Körper)Flüssigkeiten, die auch schon mal den Weg ins Publikum finden. Wer sich also am ersten November im Hafen einfindet, darf sich also auf ein Konzerterlebnis freuen, das er/sie so schnell nicht wieder vergessen wird. BONAPARTE www.bonaparte.cc/ Donnerstag, 1. November 2012, Hafen Innsbruck Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr   Autorin: Doris...

Prozess gegen Menschenrechtsaktivisten...

Gegen einen Aktivisten der Plattform Bleiberecht läuft im Moment ein Strafverfahren wg. §281 StGB ("Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze"), der einen Strafrahmen von bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe umfasst.   Dem Aktivisten wird vorgeworfen, dass er im Rahmen einer politischen Kundgebung am Weltflüchtlingstag zum "allgemeinen Ungehorsam gegen ein Gesetz, nämlich §120 Abs. 3 FPG (Fremdenpolizeigesetz)" aufgerufen habe. Dieser Paragraf ist – so wie das gesamte "Fremdenrecht" – absurd und mit den Menschenrechten nicht in Einklang zu bringen.  Aber er ist halt Gesetz. Bestraft werden damit alle Menschen, die "einem Fremden den unbefugten Aufenthalt […] wissentlich erleichtern." Infos dazu   Die Gerichtsverhandlung findet am Donnerstag, 15. November um 8.30 Uhr am Bezirksgericht Innsbruck, Museumsstraße 34 statt. Breite Unterstützung und Beteiligung am Gerichtstermin ist sehr erwünscht – die Verhandlung ist öffentlich!   Informationen zu möglichen Aktionen und Mobilisierungen im Vorfeld der Verhandlung werden frühestmöglich ausgeschickt!   Setzen wir uns gemeinsam für ein humanes Bleiberecht ein – Menschenrechte gelten grenzenlos und Flucht ist kein Verbrechen!  ...

Feiger Kreuzzug gegen Kabarettisten...

Eine besonders geschmacklose und feige Schmiererei fand sich heute am Innsbrucker Treibhaus: Der fehlerhaft geschriebene Name des bekannten Kabarettisten und Poetry-Slammers Markus Koschuh wird mit einem Kreuz ergänzt.   Markus Koschuh hat sich mit seinem viel gefeierten Stück Agrargemein nicht nur Freunde gemacht. Kongenial gelingt es ihm, die Niederträchtigkeit der Agrarier-Lobby aufs Alleramüsanteste bloßzustellen. Verschiedene Boykottversuche gab es, Plakate wurden zerstört oder verschwanden und Auftritte zumindest behindert. Trotzdem ließ Koschuh nicht locker und landete mit dem anspruchsvollen Programm seinen bisher größten Erfolg.   Nun versuchen es bestimmte Kreise also auf die feige Tour: Eine recht unverhohlene Drohung – die sich übrigens ebenso auf der Haustüre des Künstlers fand. Das Ganze zeigt, dass Meinungsfreiheit immer noch nicht selbstverständlich ist und welcher feigen Taktik sich manche ihrer Gegner bedienen. Koschuh nimmt es inzwischen gewohnt humorvoll: Auf Facebook kündigt er an, eine Anzeige gegen „Angerannt“ wegen „Herabwürdigung religiöser Leere“ zu erstatten....

Tirol ist billig! … sagt die Wirtschaftskammer...

Der Fasching beginnt nicht am 11. November, sondern bereits vor Allerseelen! Die TT (Tiroler Tageszeitung) berichtete knapp vor unserem Nationalfeiertag von einer Beobachtung der Arbeiterkammer Tirol. Angeblich seien die Preise für ein Schnitzel (und auch für einen Schweinsbraten!) in unseren Wirtshäusern teurer als im Osten. Zum Ausgleich sei das Einkommen in Tirol geringer, mit anderen Worten: Die Differenz dazwischen – also das, was übrig bleibt – ist in Tirol kleiner als in anderen Bundesländern. So weit, so schlecht – und da meldet sich logischerweise die Wirtschaftskammer zu Wort, die ja dafür sorgt, dass es der Wirtschaft – also uns allen – besser geht. Die wird bekanntlich genauso aus Steuergeld finanziert wie die Arbeiterkammer, ist aber immer anderer Ansicht, damit am Ende eine neutrale Schlussfolgerung rauskommt. So auch dieses Mal. Der Preisunterschied sei selbstverständlich nicht auf Profitgier der Tiroler Gastwirte zurückzuführen, sondern auf eine Tatsache, die niemand außer der Wirtschaftskammer bisher bemerkt hat. Der Obmann der Tiroler Fachgruppe Gastronomie Josef Hackl – diesen Namen muss man sich merken – nennt sie: Viele Betriebe in Ostösterreich hätten nur drei Tage die Woche geöffnet, meinte er laut TT. Na dann, alles klar: In Tirol stehen die Wirtshäuser Tag für Tag 24 Stunden zur Verfügung, im Osten, zum Beispiel in Wien, haben sie meistens geschlossen, können also das Schnitzel zum Niedrigpreis verschleudern. Damit erklärt sich selbstverständlich der große Preisunterschied. Erstaunlicherweise fand ich vorige Woche in Wien – die Stadt liegt ebenfalls im Osten – sogar am Sonntag offene Gasthäuser, was in Innsbruck bekanntlich gar nicht so einfach ist. Womit ich selbstverständlich nicht die Aussage von dem erstaunlichen Herrn Hackl in Zweifel ziehe, für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung! Denn eigentlich, wie der Herr Wirtschaftsfunktionär noch ergänzte, müssten die „Gastro-Preise in Tirol um etwa 13 Prozent...

Herbst

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren laß die Winde los. Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin und jage die letzte Süße in den schweren Wein. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.   Rainer Maria Rilke,...

Wer schreibt auf provinnsbruck.at?...

  …ist es der nach dem Privatkonkurs auf „Energetiker“ umgeschulte Post-Midlifecrisler aus der Kajetan-Sweth-Straße, der uns von einem besonders berührenden Moment während des Handauflegens erzählt? …ist es die (unterbezahlte) Wurstfachverkäuferin einer am 8. Dezember aus reiner Liebe zu den MitarbeiterInnen nicht offen habenden Lebensmittelkette in der Museumstraße, die uns vom jüngsten einschneidenden Erlebnis berichtet? …ist es die zum pensionsversicherungstechnischen Freiwild mutierte, für fünf Werbeagenturen freelancende Grafikerin aus Hötting, die uns eine recht bildhafte Schilderung ihres Arbeitsqualtags schickt?   …ist es der gelangweilte Polizist Walter 14 aus dem Wachzimmer Innere Stadt, der – absolut irrtümlich und für unmöglich gehalten – Krankengeschichte sowie Kontodaten samt Lieblingsspeisen und gefakter Urlaubsfotos (Robbenjagd in Kanada) der 10 aktivsten Innsbrucker TierschützerInnen mailt? …ist es die Floristin aus Wilten, die uns in blumigen Worten statt eines Bären einen Kranz aufbindet?   …ist es der Bademeister aus Hötting-West, seines Zeichens inkompetenter, leicht inkontinenter wasserlassender Wasser-Hasser, der in seinen Schilderungen allzu oft das Kind mit dem Bade ausschüttet? …ist es der Kellner aus der Maria-Theresien-Straße, der uns mit seinem Artikel „Warum das Glas immer halb voll ist“ den Optimismus auf dem Tablett servieren möchte?   Oder … bist DU es? Provinnsbruck.at ist der Blog für Innsbruck. Von allen mit Innsbruck-Bezug für alle mit Innsbruck-Bezug. Du bist interessant. Bleib interessiert!...

Bas Böttchers Bühnenpoesie, Slam Poetry und Poetry Slams (+ Interview)...

„Slam poetry is a style of poetry that’s composed for the purpose of being performed in front of a live audience and in a competitive arena.“ – so Marc Kelly Smith, Gründervater der weltweiten Bewegung und Veranstalter des ersten Poetry Slams 1986 in Chicago.     Heute versteht man die Spoken Word Poesie wohl eher als Verknüpfung von sowohl lyrischen als auch prosaischen und dialogisch-dramatischen Formen, wenn nicht sogar als eigene Gattung, deren Fangemeinde wächst und wächst. Literatur wird auf die Bühne gebracht, Texte werden lebendig, LeserInnen werden zu ZuhörerInnen und ZuschauerInnen, die live am Geschehen teilhaben und ihre Meinung gegenüber dem Vorgetragenen (und Vortragendem) lautstark kundtun können. AutorInnen werden zu PerformerInnen – keine leichte Aufgabe, und bestimmt nicht jedermann/fraus Sache. Andererseits eine einmalige Gelegenheit und ein Heidenspaß.   Was die Faszination an dieser spannenden Kunstform ausmacht, wie ein Slam-Poetry-Text entsteht und noch einiges mehr dazu haben wir Bas Böttcher beim diesjährigen Sprachsalz-Festival in Hall gefragt. Er gilt als der erste deutsche Slam-Poet, gewann 1997 die ersten deutschen Poetry-Slam-Meisterschaften und ist mit seinen Gedichten sogar schon in Schulbüchern zu finden. Hier in Aktion: http://www.youtube.com/watch?v=Ydhxo4DyPFc   Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, selber den Sprung auf die Slam-Bühne zu wagen oder auch erst mal seine/ihre Texte slam-fertig zu machen, der/die hat die einmalige Gelegenheit, am Freitag, 26.10.2012, von 17.00 bis 19.00 Uhr an einem (kostenlosen!) Workshop mit Mieze Medusa in der Bäckerei teilzunehmen. Anmeldung per Mail an koehle@backlab.at Infos unter http://www.diebaeckerei.at/programm/programm-detail.html?no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=276   Danach, wie jeden letzten Freitag im Monat, wie immer um 20.30 Uhr, gibt’s den Bäckerei Poetry Slam, der diesmal sein legendäres 10-jähriges Jubiläum feiert. Mit von der Partie sind Toby Hoffmann, Andy Plammer, Mieze Medusa und bestimmt die eine oder andere kreative Überraschung. Text: Anja Larch Interview:...

Über den Südring spazieren?...

Aber längs, nicht quer. Wolltest Du das immer schon? Am Samstag, dem 3. November gibt es eine Gelegenheit dazu. Es wäre aber eigentlich gut, wenn man das immer könnte, oder? Am 3. November tun sich viele Leute, denen der Südring und die Auto-Staus in der Innenstadt stinken, zusammen in einer Gehzeug- und Kreativdemo gegen die leider noch immer am Tisch liegenden, aber eigentlich für immer unter denselben gekehrt gehörenden Südring-Ausbaupläne der Stadtverwaltung. Mit Gehzeugen – das sind Holzgestelle etwa in Größe eines Autos, aber zum Umhängen für FußgängerInnen – zeigen wir, wie viel Platz ein Mensch in einem Auto braucht. Platz, den wir in Innsbruck, wie in jeder alten europäischen Stadt, nicht mehr länger zu 80 Prozent für den Autoverkehr verschwenden wollen. Das Südring-Projekt gehört überarbeitet, da sind sich alle VerkehrsplanerInnen – echte VerkehrsplanerInnen, nicht jene, die im Innsbrucker Magistrat werkeln und nach wie vor an die „Autogerechte Stadt“ glauben – und sonstigen Verkehrsfachleute einig. Heute baut man Straßen nicht mehr aus, sondern zurück. Der bekannte Verkehrswissenschafter an der TU Wien, Professor Hermann Knoflacher, hat das Projekt gestern so kommentiert: „Offensichtlich ist man in Tirol wieder in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts angekommen. Es geht nicht um die Art des Projektes, sondern um die Frage, ob man noch mehr Autos in der Stadt haben will oder nicht bzw. ob man eine Entlastung für die Autobahn durch die Stadt bauen will. Das Projekt ist gelinde gesagt anachronistisch.“ 100 Millionen sollen wir ausgeben von unserem Steuergeld, denn die 40 Millionen für das bekannte Tunnelprojekt sind nur der Anfang, danach soll irgendwann in Richtung Westen noch weitergemaulwurft werden. Die erste Ausbaustufe erhöht die Kapazität des Südrings auf 50.000 PKW pro Tag, die zweite dann auf 60.000. Öhm… WTF?!? Mit 40 Millionen könnte...