Sekundenschlaf am Hochaltar...

Oft denke ich kurz vor dem  Einschlafen noch, dass ich einschlafe, manchmal merke ich das aber auch gar nicht und schlafe einfach weg, für Sekunden nur, und denke nachher, gut dass ich kein Autofahrer bin, sonst wäre ich wahrscheinlich schon lange tot. Und von mir würde grade mal so viel übrig geblieben sein wie auf Alois Schilds prächtigem zurzeit im artdepot aufgestelltem Hochaltar, welcher eine große Zahl von Fundstücken aus einem Zeitraum von fast dreißig Jahren zeigt.     Da finden sich etwa Holz- und Knochenteile, ja ein ganzer Rinderschädel ist sogar darunter. Und alles das nicht etwa schön aufgereiht, so wie Künstler/innen das manchmal machen, sondern wirr durcheinander, so dass man genau hinsehen muss, um all die vielen Fundstücke, die der Künstler da gesammelt hat, zu sehen und – so man will – auch zu klassifizieren. So weit also präsentiert sich das Werk des bekannten Bildhauers und Aktivisten Alois Schild, der ja schon lange an der Brandenberger Ache in Kramsach den Skulpturenpark aufgebaut hat und von dem man mittlerweile auch sonst sehr viel Metallenes im Raum Rattenberg findet. So etwa den berühmten Inntalengel bei Radfeld. Der umtriebige Bildhauer, Schüler von Bruno Gironcoli, schafft es immer wieder, Politiker/innen davon zu überzeugen, Kunst im Öffentlichen Raum nicht bloß als Lippenbekenntnis, sondern als einen Auftrag im Sinne von demokratischer Öffentlichkeit zu gestalten. So etwa, wenn er in seinem Skulpturenpark in Mariathal auch eine Skulptur – „Steckenpferd des Diktators“  zum Gedenken an die dort verschleppten Euthanasieopfer schuf.     Kunst im öffentlichen Raum ist eine Sache, die Alois Schild sehr wichtig nimmt. Auch wenn die meistens rostigen Skulpturen auf den ersten Blick oft einen eher heiteren Eindruck bei ihren Betrachter(inne)n hinterlassen, so schaffen sie es doch immer wieder, unser eigenes Selbstbild und die...

„Blattlaus“ von Elke Ruß...

Die Heimat hat große Söhne. Und natürlich Töchterle. Aber hat sie nicht auch viele Muttersöhnchen, bei denen der Papa bloß eine Vater Morgana ist? Wäre es nicht trotzdem geschlechtergerechter, das „Land unserer Väter“ in der Salzburger Landeshymne auf „Land unserer Eltern“ zu ändern? Und wenn wir die Bundeshymne schon gendern, gehört wohl zu den Brüderchören auch ein Sister Act.   Wie? Klar haben wir auch gewichtigere Probleme. Wir sind ein Land nur quasi ohne Atomstrome, aber der hohen Schuldenberge. Ehrlich, knapp vier Tausender reichen da nicht! Trotzdem plagt eine FP-Abgeordnete die Sorge, eine Jemandin könnte dem allzu männlichen Bundesadler statt der Sichel ein Schminktäschchen verpassen. Ein Hammer! – Und so unbegründet. Kosmetik gibt es doch nur beim Budget. Sonst wäre unser Wappentier schon lange der Kuckuck.   Diese herrliche Kolumne wollen wir euch nicht vorenthalten – erschienen in der Tiroler Tageszeitung vom 16. Juli...

Das MüG-LüG-Problem der Bürgermeisterin Oppitz-Plörer...

Auf gut tirolerisch: es isch zum daloadn. Da einigt sich der Gemeinderat – gegen eine verwirrte Stimme des Seniorenbund-Obmanns Kritzinger – endlich auf ein neues Stadtrecht inklusive BürgermeisterInnen-Direktwahl, und schon wenig später fällt der amtierenden Bürgermeisterin Glorreiches ein: die höchst umstrittene Erweiterung der Befugnisse (inklusive das Recht auf Festnahme) der städtischen „Mobilen Überwachungsgruppe“, kurz: MÜG, mit rein zu nehmen. Es wurden schon Brücken mit weniger Sprengstoff gesprengt. Zum Glück ging das durchsichtige Kalkül von Bürgermeisterin Oppitz-Plörer nicht auf: In einer seltenen Allianz von Grün bis Blau bot der Gemeinderat Paroli und wehrte die Attacke souverän ab. Und die Bürgermeisterin? Die wand sich noch ärger als ein Aal dies jemals tun könnte...

Das Poolbarfestival entzückt durch Avantgardepop...

Weil immer noch total weggeblasen vom Erlebnis des Tag 6, kommt der Nachbericht ein wenig verspätet. In der Nacht des Tages 6 kochte das alte Hallenbad vor Tanzwut nahezu über, das Publikum mutierte zu einem schäumenden Wellenschlag, das Feeling war fabelhaft. Und die Band, von der diese Freudenwelle ausging, war „Hercules and Love Affair“ aus New York. Man spürte sofort diesen BroadwaySlashBurlesque-Touch bei ihrer erfrischend fröhlichen Performance mitschwingen. Selten sieht man Bands, die so ausgelassen und fast unverschämt kindisch auftreten, meist sind Bands zu cool zum Tanzen und konzentrieren sich fast gelangweilt in Shoegaze-Manier auf den Boden. Die New Yorker Bewegungstalente überzeugten auch durch einen teils beherzten, teils elfenhaft verzerrten Gesang. Mir war die Band durch Bekannte aus dem Modezirkel ein Begriff, und den Sound sowie die Performance kann man sich wahrlich gut auf einer Modeparty vorstellen. Mastermind Andrew Butler zaubert im Background den elektronischen Sound, der die SängerInnen zum stets stylischen Hüpftanz anregt. Mit Patrick Pulsinger holten die Band für ihr neuestes Album “Blue Songs“ einen Wiener Produzent auf ihr rocking boat, klingt urcool, ein wenig darker als das erste Album, die Wiener Tristesse?! Auf alle Fälle sollte die Platte sooft wie möglich auf sovielen Plattentellern wie möglich gespielt werden, die Emotionswellen sowie die Tanzbeine werden nur so schnalzen! Rund um das „Hercules and Love Affair“-Fest herum war die gesamte Nacht erfüllt von Love und Fashion. Zu einem Zeitpunkt stand ich im Reichenfeldpark auf einem Steinkreis, der mir von einem temporären Begleiter aus Tirol (Hans, warst du das?!;) als „Love Circle“ vorgestellt wurde. Mein Gegenüber drückte dann vertieft an seinem I-Phone rum, und voilà wanderten rosa Herzerln an der Poolbarneonröhrenleiste entlang, magisch!? 😉 Weiters erkundete ich den Brutkasten, der vor dem alten Hallenbad im Gras, erreichbar durch beleuchtete...

Music and the city (Vol. XVI)...

The Shape of Jazz to Come – oder: warum Innsbruck nicht New York ist und in absehbarer Zeit auch nicht sein wird   Im Moment brodelt es ja mal wieder in der Stadt, die niemals schläft, während Innsbruck die Trends gerade mal wieder verschläft. Was nicht heißen soll, dass das jemals anders gewesen wäre. Man denke nur an die Tatsache des Drone Festivals "Heart Of Noise", das es tatsächlich geschafft hat, viele Monate später oder vielleicht auch zu spät etwas in Innsbruck ankommen zu lassen, was anderswo schon wieder vorbei ist. Ein schönes Aufzeigen eines status quo, der schon wieder vergangen ist und von dem Innsbruck glaubt, es wäre der neue "heiße Scheiß". Er ist es natürlich nicht, sondern nur der Abglanz von einem Trend, der anderswo entstanden ist, wie beinahe alles "anderswo" entsteht, dort, im Sehnsuchtsland, das immer wieder und trotz allem Amerika heißt, und dort vor allem New York, und dort, noch präziser, auch nur ein paar Clubs.   The Stone…   Hervorzuheben ist dort der Club, dem John Zorn vorsteht und in dem allerhand Musik entsteht, die es sich tatsächlich auf die Fahne schreiben kann, etwas anzubieten, einen Grad an Neuheit zu enthalten, der doch tatsächlich spannend ist, der es schafft dieser dort stattfindenden Musik gewinnbringend lauschen zu können. Kein Genre, das sich bereits gesetzt hat, keine Konventionen, nach denen musikziert wird, schlicht das Experiment, jedoch nicht um seiner selbst willen. Dort findet, so munkelt man, eine Musik statt, die man als "nackt" bezeichnen könnte: befreit von Vorgaben, von richtig oder falsch, von der Vorstellung, wie ein Track auszusehen hat, wie mal zu spielen hat, wie Improvisation glückt und wie nicht: hier glückt einiges, manches scheitert, und einige der Speerspitzen der improvisierten Musik geben sich dort die Klinke in die Hand.   Jazz in...

Esst Nazis … auch in Innsbruck!...

Dieses hübsche Motiv wurde von unserer Provinnautin Anita in den Häuserschluchten der Reichenau entdeckt. Daraus ergeben sich natürlich einige kulinarische Fragen … – Welche Zubereitungsart empfiehlt sich: Fascho-Schnitzl oder Küssel-Keule? – Wie schmeckt eigentlich so ein Brownie: Wie fünf Monate altes Frittieröl oder doch einfach nur nach BurschenschAfter? – Ist die ganze Nazfresserei überhaupt praktikabel? Angesichts der Wahlerfolge der FPÖ käme wohl auf jede/n willige/n Nazifresser/in mindestens ein Faschistierter … g´sund is das jedenfalls nicht!   Dieses hübsche Video zeigt wie es auch geht – ganz ohne Nazi zum Frühstück....

Biene, Mensch und Natur

Die Honigbiene ist in den letzten Jahren durch vielfältige Faktoren weltweit in Bedrängnis geraten und Meldungen über große Völkerverluste häufen sich immer mehr. Gleichzeitig kommt es auch zu einem vermehrten Artensterben der Wildbienen.   Fleißige Bienen Die fleißigen Bienen schenken uns nicht nur den leckeren Honig, sondern leisten wirkliche Arbeit für uns. Ca. 80 Prozent der Pflanzen sind auf Insekten als Bestäuber angewiesen, allen voran ist die Biene. Ohne Bienen gibt es nicht nur im Obstanbau keinen Ertrag. Sämtliche wichtige Nutzpflanzen die uns als Nahrungsmittel dienen, sind von einer Bestäubung durch die Biene bzw. Insekten abhängig.   Was die Biene von den anderen Insekten unterscheidet: Sie ist „blütenstet“ und fliegt von einer Blüte zur anderen – allerdings von der gleichen Pflanzenart. Hiermit trägt sie einen wichtigen Beitrag zur Vermehrung und dem Erhalt vieler Pflanzen bei.   Sorgen Stark zu schaffen machen den Bienen die zerstörten Lebensräume auf dem Land. Der Einsatz von Chemikalien wie den Neonicotinoiden (unterschiedlichste Beizmittel im Maisanbau oder Streptomycin im Obstbau) sind neben der Varroabmilbe eine große Bedrohung für die Bienen. Das sollte uns allen nicht egal sein.   Stadthonig Imkern in der Stadt ist nichts Ungewöhnliches. Man findet ImkerInnen in Paris, Wien und Innsbruck. Einen sehr guten Innsbrucker Blütenhonig kann man in der Konditorei Valier (Maximilanstr. 27) erwerben.   Blühende Landschaft Letztes Jahr haben sich in Sistrans (Südostliches Mittelgebierge, oberhalb von IBK) einige ImkerInnen zusammen getan um im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit des Vorhandenseins der Honigbiene und der Wildbienen in unserer Landschaft zu sensibilisieren. Der Verein „Bienen in blühender Landschaft“ möchte aufzeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen bestäubenden Insekten und einer artenreichen, blühenden Landschaft gibt.   Als Mittelpunkt dieser Informationstätigkeiten wurde auf einem gemütlichen, mit Bienenweidepflanzen gestalteten Areal ein Bienenlehrpfad errichtet....

Das Poolbarfestival wird 18...

Poolbar 2011 Tag 1: Der erste Juli war nicht nur der Tag, an dem Kate Moss Jamie Hince von den Kills ehelichte, sondern auch der Tag, an dem das Poolbarfestival in eine weitere Runde startete, und zwar in seine 18te. Somit hat das Festival im Alten Hallenbad zu Feldkirch seine Volljährigkeit erreicht, passend dazu ist das heurige Festival-Kleidungsstück eine Unterhose mit Peacezeichen an der Stelle, die zählt. Und ich trage schon so eine gerade, unglaublich sexy siehts aus und unverschämt gemütlich ist sie obendrein die Poolbarunterhose. Der erste Festivaltag war bestückt mit angenehm folkigen Sounds, ein friedvoller Anfang für ein bis tief in den August reichendes Kunstfest. Das Alte Hallenbad erstrahlt heuer in bunten Strobelight-Neonröhren, im hohen Gras schreitet man vorbei an einem Erfrischungsautolein, über neonröhrenbeleuchtete Britschen, durch Glühbirneninstallationen. Innen drinnen sitzt man neben poppigen Lichtkuben auf Lederhockern. Bald schon gings hinauf in die Musikhalle, die ich insofern als Herausforderung betrachte, da der Publikumsbereich eine Hügellandschaft darstellt, aus der das Publikum wellenartig stellenweise herausragt. Und wenn man sich durch diese Hügellandschaft bewegt, muss man teilweise schon aufpassen, dass man nicht auf der Nase landet. Aber als brilliante Schifahrerin war mir das eh kein Problem. Die erste Band, die auftrat und die Halle zum Kochen brachte, war „The Builders and Butchers“, eine Truppe aus Alaska.  Die gleich zwei bartigen Drummerboys in Indieboy-T-Shirts waren ein Highlight für sich und der banjo-spielende Typ mit dem roten wuscheligen Bart war auch eine sichtlich aus dem Wald entsprungene Herrlichkeit. Bluesgrass-mäßig chillte die Band das Publikum der entgültigen Ekstase entgegen. Beim Klimax des Abends handelte es sich um die Musikbande „Portugal. The Man“. Mit Leidenschaft spielend entzückten die Boys of the band in jeder Hinsicht. Es wurde getanzt, es wurde verträumt geschaut, etliche Holzfällerhemden bangten lässig im...

Wenn die Maria-Theresien-Straße zum Büro wird...

Dass AsylbewerberInnen in Österreich nur schwer eine Existenz aufbauen können, ist hinreichend bekannt. Sie dürfen keinem Beruf oder Beschäftigung nachgehen, die halbwegs das Einkommen sichern und verzichten sonst auf viele Rechte. Einen kleinen Lichtblick gibt es dennoch: Die Straßenzeitung 20er, die in Innsbruck an jeder Ecke verkauft wird.   Wenn man über die Maria-Theresien-Straße und durch die Innenstadt geht, trifft man sie immer wieder. Verkäufer und Verkäuferinnen, welche an den Ecken oder Eingängen zu den großen Einkaufspassagen die Straßenzeitung 20er verkaufen. Die monatlich erscheinende Zeitschrift kostet 2 Euro, wovon 1 Euro direkt an den/die VerkäuferIn geht. Von außen betrachtet macht das Blatt eher einen bescheidenen Eindruck. Der Umfang ist sehr gering und zudem auf Recyclingpapier gedruckt. Wer aber mal einen Blick hineinwirft, wird schnell feststellen, dass die Artikel von einer unglaublichen Qualität zeugen und interessante Themen ansprechen. Solch solide Handwerkskunst von Journalisten sucht man heutzutage in größeren Zeitungen meist vergeblich.   Das erste Mal Berührung mit dem 20er hatte ich kurz nach meinem Umzug nach Innsbruck. Es war ein junger Afrikaner, der mich mit breitem Englisch ansprach: „Do you want to buy a Newspaper?“ Dabei grinste er mich fröhlich an. Bereits nach etwas Smalltalk kamen wir ins Gespräch. Sein Name war Ijudy er kam aus Nigeria und war seit ein paar Monaten in Österreich gelandet. „I hope I can start here a new life with better work“, erzählt er mir offenherzig. „At the moment I have work, I am proud about it“, sagte er weiter stolz. Ich fragte ihn, was genau er machte und Ijudy zeigte mir stolz seinen Stapel an Zeitungen in seinen Arm. „This is my work and the street is my office. Here come so many people!“ Das ist wahr, so viele Menschen trifft man wohl...

Corinne Wasmuht im Innsbrucker Kunstraum...

Seit einigen Wochen stellt im Kunstraum Innsbruck die deutsche Künstlerin Corinne Wasmuht aus. In Dortmund geboren, aufgewachsen in Peru und nach einem Besuch der Kunstakademie Düsseldorf nun in Berlin lebend, dem neuen Mekka der Kunstszene. Und eben das Pulsierende, Vibrierende und Schillernde der Großstadt kommt auch in den Bildern herüber, die  Corinne Wasmuht meist nach Fotos, die sie selbst anfertigt oder aus dem Internet kopiert, malt. Aus diesen Fotos malt die Künstlerin dann meist großformatige Bilder, die aus vielen Pixeln bestehen, und deren genauere Konturen man erst beim genaueren Hinsehen entdeckt. Steht man weiter weg, ist das ganze eher eine mehr oder weniger zufällig scheinende Anhäufung von Farbflecken.   Diese Technik ist nicht neu, sie wurde bereits zu einer Zeit angewendet, als es noch keine Computer gab, nämlich von den Surrealisten. Max Ernst etwa hatte in der Maltechnik der Frotage ähnliches im Sinn gehabt. Durch mechanische Techniken ein Bild erzeugen, das durch längeres Betrachten konkret oder gegenständlich wird. Corinne Washmuht wendet zwar eine andere Technik an, erzielt aber ähnliche Effekte. Was die Bilder am Ende einer langen Tradition in der europäischen Kunstgeschichte stehen lässt: das Festhalten des Augenblicks. Es ist wohl dieselbe Faszination des Augenblicks, die Faust an seinem Ende sagen lässt: Verweile doch! du bist so schön. Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehen!“    J. W. Goethe: Faust II....