Trari, trara, die Post war da...

Das oder ähnliches könnte man zumindest über den Neorenaissance-Bau in der Maximilianstraße sagen, der bis vor etwa einem Jahr noch die Innsbrucker Hauptpost darstellte. Normalerweise kann man der Post vieles vorwerfen, aber sicher nicht eine zu hohe Geschwindigkeit, wobei es hier eine Ausnahme gibt, nämlich das Schließen und Abstoßen von Postämtern. Fairerweise muss hier gesagt werden, dass die Hauptpost nicht ersatzlos gestrichen wurde – man hat sie ja an den Innrain transferiert.   Das Problem in diesem Fall scheint mir ganz wo anders zu liegen, nämlich an der Liegenschaft selbst. Man hat ein historisch und baulich gewichtiges Gebäude an private Investoren verkauft und somit aus der öffentlichen Verantwortung hinausbuxiert. Gerade Institutionen wie die Post sollten ihre Vergangenheit, die auch in Gebäuden besteht, nicht durch eine neue, auf den ersten Blick moderne Corporate Identity auslöschen. Erneuerung ist toll und wichtig, aber der Preis, den man zu zahlen bereit ist, sollte im Auge behalten werden.   Man kann nur hoffen, dass die neuen Besitzer das Herz der alten Post, die gewaltige Schalterhalle, renovieren und „den Charme erhalten“, so wie sie es angekündigt haben. Aber so trivial es auch klingen mag, eine Schalterhalle ist nun einmal nur dann eine Schalterhalle, wenn darin Schalter sind. Diesen Charme zumindest hat sie eingebüßt. Auch wenn wir im Moment nun, laut Post, eine der modernsten Postfilialen Westösterreichs haben, ist diese ab jetzt nur mehr eine beliebige, die in der Masse untergehen wird. In der baulichen Masse ist sie schon untergegangen, denn der Turm, der früher wohl auch ein Zeichen für die Präsenz war, hat nur mehr dem Namen nach mit der Post zu tun, und auch hier ist fraglich, wie lange sich dieser halten...

Kurz und bündig: Heinrich Heine über Innsbruck...

Auf seiner Reiseroute von München nach Genua machte Heinrich Heine auch in Innsbruck halt. Scheinbar hinterließ der Anblick der Stadt beim Dichter einen tiefen Eindruck:   „Innsbruck selbst ist eine ungewöhnliche, blöde Stadt. Vielleicht mag sie im Winter etwas geistiger und behaglicher aussehen, wenn die hohen Berge, wovon sie eingeschlossen, mit Schnee bedeckt sind und die Lawinen dröhnen und überall das Eis kracht und blitzt.“  ...

Im westEN nichts Neues?

Go west – mit diesem ebenso einfachen, knackigen und popkulturell altbekannten Slogan wirbt die Homepage des neuen Einkaufszentrums west in der Höttinger Au. Und weil von Innsbruck aus mittlerweile schon alle Wege, wenn schon nicht nach Rom, dann zumindest in irgendein Einkaufzentrum in irgendeiner Himmelsrichtung führen – warum das gute Teil nicht einfach mal besuchen? Gesagt, getan – und wenig beeindruckt. Was sich auf der Website des neuen KonsumentInnen-Treffpunkts vielleicht noch angenehm unprätentiös  präsentiert, ist bei einem Besuch vor Ort, vorsichtig ausgedrückt, schon etwas langweilig. Nicht weil es dort nichts gäbe, sondern weil es das gleiche gibt wie überall. Zugegeben, als neue Nahversorgungsmöglichkeit und als Arbeitsplatzlieferant spricht nichts gegen west. Aber wenn wir schon ständig dazu angehalten werden zu kaufen, unsere Egos mit dem Glanz von Konsumprodukten aufzupeppen und unsere Identitäten ständig neu zu erwerben, dann muss schon etwas mehr dran sein. Dem west fehlt, simpel gesprochen, das Fleisch auf den Knochen. Selbst die Architektur, die auf den ersten Blick dezent zurückhaltend wirkt, drängt sich nach einigen Minuten unangenehm auf. Denn auf dieser Ebene wird so wenig geboten, dass es schon wieder auffällig ist. Ein paar Farbtupfer durch die bunten Säulen, ein Geschäft reiht sich ans nächste und zum Verweilen lädt gar nichts ein. Und die Geschäftslokale selbst sind großteils von den üblichen Verdächtigen besetzt, die nun wirklich niemanden mehr überraschen. Bald soll am selben Areal zur Freude aller, denen die Bildung der Innsbrucker SchülerInnen am Herzen liegt, auch eine Schule ihre Pforten öffnen – ein fünftes Gymnasium, lokalisiert im westEN Innsbrucks. Zumindest die fiktive Vorstellung eines Gesprächs zwischen einer Lehrerin und einem nach einer Pause verspäteten Schüler zwingt mich jetzt schon zum Schmunzeln. „Warum bist du denn schon wieder zu spät zum Unterricht gekommen?“ „Ähhh … das tut...

Weltgrößter Skateplatz in Innsbruck eröffnet...

So oder so ähnlich sollte eigentlich die Zeitungsüberschrift lauten, die von der Neu-Eröffnung des Landhausplatzes handelt. Der neue Landhausplatz wird nicht größer oder schöner, auf jeden Fall aber kälter. Kalter Kunststein überzieht den Platz mit einer Schicht, die ideal fürs Skaten ist. Und schon nach der provisorischen Eröffnung am 26. Oktober tun sich freudige SkaterInnen auf, den Platz zu erobern. Wer wird hier bevorzugt? 6,1 Millionen Euro für einen Skateplatz? Das mag einerseits andere VertreterInnen von Sportarten in Innsbruck überraschen, die sich solche Investitionen in „ihre“ Sportart auch gerne wünschen würden. Doch die KennerInnen der Innsbrucker Lokal- und Tiroler Landespolitik wissen schon jetzt, was bald kommen wird: Ein Verbot. Denn die hohen LandesbeamtInnen werden es sich wohl nicht lange anhören wollen, wenn auf „ihrem“ Platz sportliche Aktivitäten stattfinden. Sicherheitsrisiko? Schon bald wird von einem Sicherheitsrisiko die Rede sein. Risiko für die SkaterInnen, für PassantInnen, von den BeamtInnen gar nicht zu reden. Und selbst die Politik, ja die kann sich bei dem Lärm wohl auch nicht mehr konzentrieren. Und überhaupt: Wie schaut denn das aus? Die Skateboards machen sicher den Kunststein kaputt. Zerstören den „schönen“ Platz, der seine Krankenhaussterilität nicht verlieren soll. Schon jetzt müssen Autos auf einem Teppich fahren, um keine Fahrspuren auf dem Stein zu hinterlassen. Budgetrisiko! Millionen für den Platz auszugeben mag sich lohnen. Veränderungen sind ja gut und Investitionen in der größten Wirtschaftskrise seit Langem auch wichtig. Warum aber wohl wieder die draufzahlen, die immer draufzahlen, bleibt unklar: Die SteuerzahlerInnen, die SkaterInnen, andere SportlerInnen (denen die Investitionen fehlen). Genießen können den Platz dann wohl nur mehr die, die aus den Fenstern des Landhauses schauen. Lasst die SkaterInnen doch skaten so lange sie...

Still, still, still…...

Wenn man durch die Straßen geht, kann es leicht passieren, dass man sich plötzlich an Böll erinnert. Die Innenstadt hat bereits ihren ersten adventlichen Putz bekommen, schon vor Allerheiligen. Knapp danach folgen dann der Baum und die ersten Glühweinbuden. Sterne, Girlanden und Kugeln, nicht nur zur Weihnachtszeit. In Kürze wird die Belagerung mit fröhlichen Liedern und Menschen in roten Kostümen beginnen. Die Lichtketten sind nur ein Vorgeschmack, oder eher eine Drohung. Vorfreude sei ja die schönste Freude, aber zwei Monate hysterische Vorfreude können eigentlich nur in einer Enttäuschung enden. Wie groß muss die Erwartung eines Kindes sein, das jetzt schon mit Werbung und Ankündigungen überschwemmt wird. Freilich, das ist kein Phänomen, mit dem allein Innsbruck zu kämpfen hat. Aber Innsbruck als Stadt, die den Tourismus entdeckt hat, schlachtet es enorm aus. Bald schießen die Christkindlmärkte wieder aus dem Boden und der Gang durch die Innenstadt wird zur Tortur. Nicht, dass man nicht ausweichen könnte, aber muss man dem Konsum immer weichen? Sind die Stadtbenutzer_innen nur mehr sekundär? Nur jammern wäre falsch. Wir leben recht gut vom Fremdenverkehr und schlussendlich war auch jeder von uns schon einmal Gast in einer anderen Stadt. Aber es braucht etwas mehr, man verzeihe das leicht überstrapazierte Wort, Respekt. Nicht nur vor den Stadtbewohner_innen, auch den Tourist_innen soll die Möglichkeit geboten werden, Innsbruck zu sehen wie es ist und nicht als groteske Inszenierung. Vom Fest selber braucht man eh nicht mehr reden… Aber wer weiß, vielleicht werden auch statt der Innsbrucker_innen bald nur mehr Schauspieler_innen rund um den „Gewinn, Gewinn,…“ flüsternden Engel...

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Thomas Müller

Seine Freunde sagen ihm gehts nur ums und ihm ist alles Recht. Er meint, er kann auch anders und möchte es nun unter Beweis stellen. Trotz Intensivschulung in der Innsbrooklyner Reichenau wird das für den studierten Rechtswissenschaftler nicht...