Andreas Wiesinger

Wiese wills wissen: Wie digitale Gemeinschaftsbloggerei und kritischer Community-Journalismus funktionieren. Medienangebote gibt es ungezählte und die nächste Information ist höchstens einen Mausklick entfernt. Aber wir wollen nicht mehr nur konsumieren, sondern selbst aktiv werden. Platz ist für Geheimtipps, Ankündigungen, Berichte kritische Kommentare, heiße, aber niveauvolle Diskussionen sowie literarische und lyrische Texte. Von Beginn an war es wichtig, dass ProvInnsbruck, das digitale Stadtgeflüster als Gemeinschaftsprojekt wahrgenommen und gestaltet wird und allen Interessierten offen steht. Seit über zwei Jahren wächst unser Communityblog und hat sich zu einem aktuellen und kritischen Medium gemausert. Der Erfolg dieses Projekts ist all jenen zu verdanken, die sich daran...

Elli Sporer

Lebt schon ihr ganzes Leben lang in Innsbruck und hat hier auch ihr Studium der Germanistik abgeschlossen. Sie beschäftigt sich am liebsten mit Büchern, Zeitschriften, geht gerne ins Kino und liebt es Reisen zu planen (auch, wenn diese dann gar nicht zustande...

Martin Varano

erweiterte Mitte der 1990er Jahre seinen Wirkungskreis von Feldkirch nach Innsbruck, pendelt seither zwischen Tirol und Vorarlberg, findet Jeans, T-Shirt und Rucksack bequemer als Tracht, Hut und Gewehr, ist angetan von den Waldrappen im Alpenzoo, sieht keine ehrbare Auszeichnung einer Stadt in hohen Mietpreisen, mag weder Dauerbaustellen noch Einbahnen und zähflüssigen Verkehr, möchte gerne etwas öfter auf erschwingliche Gastronomiebetriebe stoßen und glaubt an die Notwendigkeit von Kritik, die in Zeiten der Arbeitsteilung wohl die übernehmen müssen, die sich nicht stets selber auf die Schulter klopfen und versichern, dass eh alles gut ist und daher nur besser werden...

Apriori verdächtig

Ich finde Geiz nicht geil und blöd bin ich auch nicht. Und fühle mich außerdem schon etwas (Pardon!) verarscht, wenn ich konsumfreudig und -willig Geld gegen DVDs, CDs und andere feine Dinge eintauschen möhte, aber schon vor Betreten eines Geschäfts als grundsätzlich verdächtig gelte, nur weil ich einen Rucksack oder eine etwas größere Tasche bei mir trage. Bei der Information am Eingang geht es schon los. „Benützen Sie bitte unsere Schließfächer!“ Und wenn die voll sind? „Dann lassen Sie ihre Tasche bei mir.“ Ja, sicher, schön hinter dem Infotresen am Boden. Beanspruchen Saturn und MediaMarkt ernsthaft einen Vertrauensvorschuss für sich, den sie Ihren KundInnen, von denen sie leben, umgekehrt nicht geben wollen? Und wird, wer nichts Böses will, auch automatisch kein Problem damit haben? Naja, ich habe eines, andere, die ich kenne, übrigens auch. Apriori verdächtigen wollen wir uns nämlich nicht lassen. Denn wie soll bitteschön noch der konsumselige Glücksrausch entstehen, wenn es schon vor dem Bezahlen kriselt??? Und noch eine Kleinigkeit: Falls ich je bei MediaMarkt an der Kassa auf Nachfrage meine Postleitzahl angegeben habe, dann nur, weil ich den Angestellten die Unannehmlichkeit einer für sie überflüssigen Verlegenheitsdiskussion ersparen wollte. Immerhin ist es nach dem Bezahlen immer schön ruhig. Da will niemand mehr etwas. Nur wir, denen das alles gar nicht so schmeckt, kaufen, wenn schon nicht konsequent woanders, anderswo zumindest relaxter und entspannter...

Projekt FreiRaum

Die Geschichte des einzigen trägerübergreifenden Bildungs- und Beratungsprojekts für Menschen mit Behinderung in Tirol, könnte österreichischer nicht sein. Liest sich wie die Biografie eines verkannten Genies, das erst einmal abtreten musste, um als solches erkannt zu werden und erinnert nur einmal mehr daran, dass die Parteipolitik nicht weit sein kann, wenn die Satire dem Leben begegnet. Aber alles nach der Reihe:   Projekt FreiRaum: ABGESCHAFFT UND AUSGEZEICHNET Nachdem FreiRaum, eine Initiative des Tiroler Arbeitskreises für Integrative Entwicklung (TAfIE) im Jahr 2001 aus den Mitteln der sogenannten „Behindertenmilliarde“ finanziert werden konnte, schien sich der Traum von einem selbstbestimmteren Leben für Tirolerinnen und Tiroler mit Lernschwierigkeiten allmählich zu erfüllen. Computerkurse, Mobilitätstrainings, persönlichkeitsbildende Seminare oder Moderationsworkshops hatte es für „Behinderte“ in dieser Form bis dato nicht gegeben. Während FreiRaum von Anfang an auf partizipative Lern- und Gestaltungsprozesse setzte, die Beratung von Betroffenen für Betroffene forcierte und sich nicht an den Defiziten, sondern den Stärken und Fähigkeiten jeder und jedes Einzelnen orientierte, stieg die Nachfrage in allen Tiroler Bezirken an. Die Weitergabe von Wissen und erprobten Strategien, um eine Arbeit zu finden oder zu behalten, füllte im Vorjahr bereits für 260 Frauen und Männer eine Lücke, die über Selbstbestimmung oder Abhängigkeit entscheiden konnte. Und das hat es auch. Von einem Tag auf den anderen passte FreiRaum nicht mehr in die Förderrichtlinien des Bundes. Wurde aufgrund „zu wenig direkter Arbeitsmarktrelevanz“ kaputtgespart und „in Zeiten wie diesen“ schlichtweg abgeschafft. Nachdem hinlänglich bekannt sein sollte, dass Budgets nicht mehr, aber auch nicht weniger darstellen, als in Zahlen gegossene Politik, liegt auf der Hand, dass der politische Wille fehlte, um Menschen mit Behinderung in Tirol weiterhin auf ihrem ohnehin schon schwierigen Weg in den Arbeitsmarkt zu fördern. So viel zur direkten Arbeitsmarktrelevanz dieser Entscheidung… Am 09. November...

Isabella Krainer

Ehemaliges Dorfkind mit Potential zu verbalen Befreiungsschlägen. Steht auf Gogol Bordello, Element of Crime und Hello Kitty. Wird selbst zur Katze, wenn sie eine Maus sieht, forciert Fremdschämen für Fortgeschrittene hier zu Lande besonders gerne und traut Innsbruck nur so weit, wie sie es werfen...

innsbruck von außen betrachtet. erster teil: die innsbruckerInnen...

geografischer verortungsversuch, der ob seiner ungenauigkeit fehlschlägt: das dorf ist ein alpenmekka und liegt inmitten der alpen genauer gesagt das dorf ist ein alpenmekka und liegt inmitten der zentralalpen, des alpenhauptkammes aber auch der ostalpen. das dorf ist eigentlich gar kein dorf, nur rein gefühlsmäßig ist es ein dorf, denn eigentlich hat es fast 120.000 einwohnerInnen, und mindestens der hälfte läuft man am wochenende bei schönwetter normalerweise im umland, bevorzugter weise aber im stadtteil hötting bzw. auf dem weg zu der dem stadtteil hötting zugehörigen alm, der höttinger alm, über den weg, die andere sich im umland aufhaltende hälfte findet sich meist zum gar nicht gemeinsamen lustwandeln im schönen k.u.k. kurort igls oder einer anderen, sich im umkreis von igls befindenden gemeinde wie etwa lans oder sistrans. die wahren innsbruckerInnen, also jene, die in INNSBRUCK das LICHT DER WELT erblickten, gehen nämlich nicht auf den berg, das überlassen sie mit murren und knurren aber immer höflich und freundlich und nett (nett ist die kleine schwester von scheiße) den deutschen touristInnen oder den anderen innsbruckerInnen, die das LICHT DER WELT nicht in INNSBRUCK erblickt haben. es folgt: der/die innsbruckerIn lässt sich also in zwei kategorien fassen: in die kategorie der in INNSBRUCK lebenden innsbruckerInnen, die das LICHT DER WELT in INNSBRUCK erblickt haben, wir nennen sie die wahren innsbruckerInnen und in die kategorie der innsbruckerInnen, die das LICHT DER WELT nicht in INNSBRUCK erblickt haben, aber irgendwo in einem anderen dorf des wunderschönen tirols, wir nennen sie die anderen innsbruckerInnen. Ja, sie bemerken zu recht, da fehle aber noch eine kategorie! richtig, erwähnung finden hier all jene innsbruckerInnen nicht, die meinen, nur weil sie in INNSBRUCK ihren hauptwohnsitz haben, dürften sie sich als rechtmäßige innsbruckerInnen fühlen und die gleichen ansprüche...

Wer klopfet an?

Stell dir sich vor, du irrst bei Minusgraden durch Innsbruck. Geld hast du keines, die Wohnung haben sie dir weggenommen – du bist, was der Innsbrucker Volksmund so charmant als „Sandler(in)“ bezeichnet. Auch wenn dir das in deiner derzeitigen Lebenssituation vielleicht (bzw. hoffentlich) unrealistisch erscheinen mag – dieses Schicksal kann jede(n) treffen: 461 Menschen waren in Innsbruck laut Statistik wohnungslos.   Es sind Asylsuchende, Menschen mit psychischen Problemen und solche, die nach einer Scheidung oder einer ähnlichen Lebenskrise durchs soziale Netz fallen. Aber da gibt’s doch sicher Stellen, an die man sich wenden kann, wirst du dir denken. Ja, die gibt es: Die Notschlafstelle in der Trientlgasse verfügt über 35 Plätze. Sieben Feldbetten in fünf Räumen, Frauen und Männer schlafen getrennt.   Christlich-sozial – ein Hohn!   Zwei Wochen wurde gestritten, ob die Notschlafstelle bis Mitte April offen haben sollte – und nicht nur bis Mitte März wie geplant. Zur Erinnerung: Im April 2010 hat es noch mehrmals geschneit. Franz X. Gruber, ÖVP-Vizebürgermeister und Sozialstadtrat, hat sich bis zum Schluss gegen diese Verlängerung gewehrt. Die Innsbrucker Sozialpolitik ist laut Gruber „zielorientiert und bedarfsgerecht“.   Nach langer Diskussion hat der Gemeinderat am 18. November ganz knapp der Verlängerung um einen Monat zugestimmt. Gegen die Stimmen der beiden Regierungsfraktionen „Für Innsbruck“ und ÖVP. Was hältst du von meinem Vorschlag: Franz Gruber soll ab 15. März den Selbstversuch wagen: Stell dir vor, er irrt bei Minusgraden durch Innsbruck …   Links zum Thema   http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Ãœberblick/Chronik/ChronikTirol/ChronikTirolContainer/1724915-8/notschlafstelle-bis-april-gegen-stimmen-von-vpfi-verlängert.csp   http://derstandard.at/1289608407847/Obdachlosen-Schlafstelle-Innsbrucker-Gemeinderat-streitet-um-35-Betten...

Ulli Schindl-Helldrich

Leidenschaftliche Schreiberin (trotz fehlender Rechtschreibkenntnisse) und Kaffeetrinkerin. Politisch aktiv mit Schwerpunkt GleichbeRECHTigung, Bildung. Liebe es über den Tellerrand unserer kleinen Alpenrepublik hinauszuschauen – aktuell gerade ganz gerne nach Lateinamerika. Entspanne mich beim Stricken und Diskutieren (eine gute Diskussion kann nie zu lange...

Fächerträger, Schlauchboys & Co...

Woran merkt eine Zuagraste in Innsbruck, dass sie eine ebensolche ist? Einerseits natürlich an der Unfähigkeit, als Alemannin das innsbruckerische Kehlkopf-„k“ zu produzieren. Abgesehen von diesen lautlichen Schwierigkeiten wird mir aber vor allem dann bewusst, dass ich „nit von do“ bin, wenn mir Kenntnisse über die ganz alltägliche Innsbrucker Infrastruktur fehlen…   Alltagsschwierigkeiten einer Zuagrasten Wo kann man zum Beispiel in Innsbruck ein älteres Staubsaugermodell reparieren lassen? Was tun, wenn man – selten, aber doch manchmal – einen „richtigen“ Schuhmacher braucht, oder jemanden, der einen Regenschirm wieder instand setzt? Wer kann eine Anzughose fachgerecht kürzen oder Ersatz für den fehlenden Mantelknopf liefern? Wo bekomme ich ein Anschlussstück für meinen Gartenschlauch? Einen Steckeradapter für Italien? Oder eines dieser kleinen silbernen Aluminiumstöpsel, die man in die Seitenwand eines Regals steckt (leider kein IKEA-Modell) und dann das Regalbrett drauflegt? Innsbruck-Wiki der anderen Art Dort, wo ich aufgewachsen bin, kenne ich entweder die entsprechenden Geschäfte oder aber Leute, die solche Dinge sicher wissen. In einer fremden Stadt ist das alles viel komplizierter, besonders am Anfang und vor allem wenn man, wie so oft als Zuagraste, hauptsächlich andere Zuagraste kennt. Mein Ersatz für Ortskenntnis und einheimischen Bekanntenkreis ist seit zwölf Jahren Ortner&Stanger. Das ist nicht nur eine Innsbrucker Institution, wie mir Einheimische bestätigen, sondern für mich so etwas wie ein menschliches Innsbruck-Wikipedia geworden, eine Anlaufstelle für alle möglichen Fragen praktischer Art. Plastikdosen-Charme Interessant ist der Familienbetrieb Ortner&Stanger ja überhaupt in mehrerlei Hinsicht: die wohl bekannteste, allerdings erstaunlicherweise erst seit 1998 dort ansässige Filiale liegt nämlich in Top-Lage am sonst eher eleganten Marktgraben, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem hochpreisigen Schuhgeschäft, und verströmt doch die Shopping-Atmosphäre einer vollgepfropften, wenn auch ordentlich sortierten, Abstellkammer. Die Schaufenster bieten einen Blick auf zwar übersichtlich aber sonst gänzlich Ästhetik- und...