Ulrich Lobis

Aufgewachsen und gesamte Schulzeit in Stams, danach in Innsbruck Studium der Philosophie (mit diversen Ausflügen auf verschiedene andere Fakultäten und Institute). Die Interessen sind mehr oder weniger breit gefächert, vom Buch bis hin zum Kino. Eine der Haupteigenschaften ist es, nicht fotogen zu...

Ulrich Lobis

Aufgewachsen und gesamte Schulzeit in Stams, danach in Innsbruck Studium der Philosophie (mit diversen Ausflügen auf verschiedene andere Fakultäten und Institute). Die Interessen sind mehr oder weniger breit gefächert, vom Buch bis hin zum Kino. Eine der Haupteigenschaften ist es, nicht fotogen zu...

Ines Burkhardt

Unterwegs von Westen nach Osten in Innsbruck hängen geblieben, genießt sie das österreichische Leben und sieht sich selbst als Wahltirolerin mit Deutschem Touch.  In der Hoffnung eines Tages ihrem Idol, Karla Kolumna, das Wasser reichen zu können, schreibt sie seit ihrem 3. Lebensjahr Buchstaben, Gedichte, Geschichten und ab und zu auch geistreiches. ...

Rosa Helden?

Mitte Oktober wurde zum wiederholten Male der Adler vor der rechtswissenschaftlichen Fakultät, das „Universitätsdenkmal“, mit Farbe besprüht. Diesmal in Rosa – was dem alten Adler auch noch nach der Reinigung einen angenehmen metallischen Rosaglanz verleiht. 60 Jahre vergessen Der Grund für die Aufstellung des Denkmals was allerdings alles Andere als angenehm: 1926 wurde das vom Tiroler Architekten Lois Welzenbacher geplante Denkmal zur Erinnerung an die im ersten Weltkrieg gefallenen „Söhne“ der Alma Mater und die Einheit des Landes Tirol eingeweiht. Gestritten wurde um das Monument schon von Anbeginn – damals allerdings noch zwischen CV und schlagenden Burschenschaften – die sich nicht einigen konnte, wer an der Eröffnung in Farben antreten durfte. Nach einer Renovierung im Jahre 1952 wurde nun auch der Gefallenen des 2. Weltkrieges gedacht. Erst auf Initiative des Kommunistischen Studierendenverbandes setzte sich Anfang der 1980er Jahre (!!!) der Senat in vierjähriger Diskussion mit dem Denkmal auseinander und widmete in einer Gedenktafel den Adler nun auch dem ehemaligen Innsbrucker Studenten Christoph Probst (nach dem nun seit 1994 der gesamt Jus-Vorplatz benannt ist). Wiederum erweitert wurden die Gedenken im Jahre 1990, als eine zweite Gedenktafel für zwei in El Salvador ermordete Freiheitstheologen und Absolventen der Uni Innsbruck angebracht wurde. Zukunftstauglich? Das Ehre-Freiheit-Vaterland-Denkmal wurde wohl schon unzählige Male bemalt, umgedeutet, verhüllt und renoviert. Das Auslöschen von Erinnerungen ist wohl nicht der beste Weg, um sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Dass das Denkmal vor der Uni aber aufgrund andauernder Anfeindungen auch zu einem Symbol für die Rechten geworden ist, gibt schon zu denken. So stellten etwa rechte Recken vor einigen Jahren einen „Reinigungstrupp“ zusammen, der das Denkmal von einer Klorollenwurfaktion reinigen sollte. Aus diesem Hintergrund heraus wäre es wohl besser, das Denkmal an die bestzahlende deutschnationale Burschenschaft zu verkaufen...

Und die Rotunde?

Ein bisschen sieht sie ja aus wie ein Raumschiff – oder wie man sich ein Raumschiff aus dem 19. Jahrhundert vorstellen würde. Die Rede ist von der Rotunde am Rennweg. Das Gebäude war seit 1924 Heimstätte des Riesenrundgemäldes. Dieses wurde gegen den erklärten Willen tausender Innsbrucker(innen) und unter großem Aufwand ins neue Bergiselmuseum transloziert – das hinfort auf den ebenso originellen wie aussagekräftigen Namen „Das Tirol-Panorama“ zu hören hat. http://derstandard.at/1285200774972/Spekulationen-um-Kosten-fuer-Bergiselmuseum Sanierungsfall 1974 wurden das Gebäude, das sich bis heute im Besitz der Raiffeisen Landesbanken befindet, unter Denkmalschutz gestellt. 2007 schließlich wurde schließlich ein so starker Sanierungsbedarf festgestellt, dass die Rotunde geschlossen werden musste. Ursprünglich war das Bundesdenkmalamt (BDA) auch der Meinung, dass der Denkmalschutz „die Einheit von Denkmal und Gebäude“ umfasst. Diese Auffassung wurde nach emsigen Interventionen seitens der Landesregierung revidiert. http://igkultur.at/igkultur/kulturrisse/1240414253/1242744700 Nachnutzung? Die Zustimmung zur Translozierung wurde mit der Erhaltung und Nachnutzung des Gebäudes verknüpft. Als Ergebnis steht jetzt zwischen dem Inn und der viel befahrenen Kreuzung zum Rennweg ein baufälliges Raumschiff. Eifrig denken Politiker(innen) und an der Stadtentwicklung Interessierte darüber nach, was damit anzufangen wäre. Vom (jahrelang aufgeschobenen) „Haus der Musik“ ist ebenso die Rede wie von einem geplanten Alpenvereinsmuseum. http://www.echoonline.at/index.php?option=com_content&view=article&id=1753:viele-plaene-und-kein-geld&catid=23:kultur&Itemid=5 Wünsch dir was …. Die Diskussion um die Nachnutzung der Rotunde erinnert ein bisschen an „Wünsch dir was“ – außer dass natürlich kaum Geld da ist. Landesrätin Palfrader kündigt an, was jedes Politiker(innen)herz höher schlagen lässt: „Stadt und Land richten eine Arbeitsgruppe ein.“ http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Tirol/1260582-2/riesenrundgemälde-am-bergisel-die-tonnenschweren-rollen-wurden-übersiedelt.csp Mein Vorschlag: Christian „Yeti“ Beirer, einer der innovativsten Tiroler Kunstschaffenden, wird vom Land beauftragt, gegen entsprechende Entlohnung ein alternatives Panorama anzufertigen. Arbeitstitel: „Innsbruck – Stadt ohne Horizont“....

Da ging es rund …

Vermutlich ist jede/r Tiroler/in mindestens einmal im Leben – und wenn es als Volksschulkind war – rundherum gerannt: Das Riesenrundgemälde ist so etwas wie ein gepinseltes Stück „Kollektivgeschichte“. Letzten Samstag wurde es also um fünf Uhr früh von seinem alten Stammplatz, der Rotunde am Rennweg, auf den Bergisel zum neuen Museum gekarrt. Zwar war neben dem Bundesdenkmalamt auch zahlreiche Innsbrucker/innen der Meinung, diese Translozierung sei a) ein teurer Spaß und b) nicht im Sinne des Denkmalschutzes....

Serie: Platz da, Innsbruck!...

  Teil 1: Der Marktplatz Innsbrucks Plätze – das ist eine lange Geschichte der Verfehlungen und verpassten Möglichkeiten. Ein Paradebeispiel ist der Marktplatz: Direkt am Inn gelegen, mit Ausblick auf die wohl schönste Häuserzeile der Stadt hätte der Marktplatz viel Potential.     Hier könnte mitten im Zentrum ein schöner Verweilort entstehen, ein Freiraum für öffentliches Leben und ein Schaufenster für die „Koatlackn“ – die Keimzelle des modernen Innsbruck.   Vermarktet Die Realität sieht anders aus: Der Marktplatz ist ein Kein-Ort, nicht im Sinne von „Utopia“, sondern eben so, dass hier kein eigentliches Gefühl für den Ort aufkommt. In Wirklichkeit ist der Platz einfach eine zubetonierte Fläche, die temporär und meistens kommerziell genutzt wird: Im Sommer als Strandbar, auch der Hamburger Fischmarkt hat hier seinen Stammplatz. Im Winter ist der Marktplatz Heimstätte für den etwas abgefuckteren Bereich des Glühkindel-Markts, noch etwas kitschiger und alkoholseliger als der in der Altstadt.   An jedem Freitag gibt’s am Marktplatz auch einen echten Markt: Dann werden lustige Flaggen und Kurt-Cobain–Shirts feilgeboten. Und in der Zeit dazwischen üben sich ein paar Skater/innen in lustigen Moves – oder Promotionveranstaltungen finden statt. Der Marktplatz hat weder ein Gesicht noch einen Charakter – er verändert sich ständig, ohne dass sich aus dieser Veränderung irgendeine Dynamik ergäbe.   Verpasst Es ist sicher kein Nachteil, mitten in der Stadt einen Platz vorzufinden, der für verschiedene Nutzungsformen offen steht. Der Marktplatz könnte ein solcher Platz sein – ein Raum für temporäre Nutzung, für Experimente und Begegnungen. Grünflächen und Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang wären dafür ein Anfang. Damit das Zentrum von Innsbruck nicht nur von Asphalt und Abgasen bestimmt wird – sondern auch echten Lebensraum bietet....